An die Geliebte


Wenn ich, von deinem Anschaun tief gestillt,
Mich stumm an deinem heilgen Wert vergnüge,
dann hör ich recht die leisen Atemzüge
Des Engels, welcher sich in dir verhüllt.

Und ein erstaunt, ein fragend Lächeln quillt
Auf meinen Mund, ob mich kein Traum betrüge,
Daß nun in dir, zu ewiger Genüge,
Mein kühnster Wunsch, mein einzger, sich erfüllt?

Von Tiefe dann zu Tiefen stürzt mein Sinn,
Ich höre aus der Gottheit nächtger Ferne
Die Quellen des Geschicks melodisch rauschen.

Betäubt kehr ich den Blick nach oben hin,
Zum Himmel auf— da lächeln alle Sterne;
Ich kniee, ihrem Lichtgesang zu lauschen.



Eduard Mörike   1830
                      













To the Beloved


Enraptured I stand when our eyes meet
Indulging in the thought of thy holy worth,
Then clearly do I hear the soft breathing
Of the angel who lives hidden in Thee.

Yet on my face a wary smile breaks through,
Perplexed I ask if here a dream deludes,
If in Thee, now and for all time to come,
My one, my boldest desire will be fulfilled?

Into the deepest depths my mind tumbles then,
I hear from out the sacred expanse of night
The springs of fate murmur their melodious song.

Dazed I lift my eyes to the skies above,
Heavenwards— where every star is beaming;
I kneel, hearkening to their song of light.



Translation: Charles L. Cingolani